Hochschulfinanzierung nach österreichischer Art, oder: der Unwille der Politik

10. April 2013 ‐ 11:30

Die österreichische Hochschulpolitik der heutigen Zeit ist geprägt von dem ewigen Gerangel der etablierten Parteien um Studiengebühren und der nicht enden wollenden Diskussion über Kapazitäten an Universitäten und Fachhochschulen. Viele neue Konzepte hat die österreichische Politik ja in den letzten 20 Jahren nicht zustande gebracht, seit Jahrzehnten werden die Hochschulen finanziell konstant an der kurzen Leine gehalten und immer wieder dieselben Diskussionen geführt. Die TU Wien steht kurz vor dem finanziellen Kollaps, aber selbst das ist für die Politik noch nicht Grund  genug endlich einzugreifen. Minister Töchterle erpresst stattdessen mit seinen, seit Amtsantritt vorgebeteten Mantras alle Universitäten und spielt diese beinhart gegeneinander aus. Töchterle selbst sagt in Interviews ganz offen, dass im derzeitigen österreichischen System nicht alle studieren können und damit hat er nicht einmal so unrecht. Im Folgenden möchten wir dem Warum auf den Grund gehen.

Warum gibt es auf der WU derzeit hoffnungslos überfüllte Hörsäle? Warum scheint es bei einer kurzen, oberflächlichen Betrachtung wirklich „zu viele Studierende“ zu geben? Es muss gar nicht so tief gegraben werden, um einen bedeutenden Faktor zu finden, der sich durch die gesamten letzten 15 Jahre der österreichischen Hochschulpolitik zu ziehen scheint: die österreichischen Hochschulen wurden seit geraumer Zeit ganz einfach immer nur mit den Minimalbeträgen finanziert. Wir müssen uns hier vor Augen halten, dass wir immer noch in einem der reichsten Staaten dieses Planeten leben und es sich die österreichische Bundesregierung sehr wohl leisten könnte, alle Hochschulen mit ausreichenden finanziellen Mitteln auszustatten. Die einzige Frage die sich hierbei stellt, ist ob die Politik das denn auch will? Hierbei muss nun ausdrücklich erwähnt werden, dass die ÖVP seit mehr als 25 Jahren ununterbrochen an den Regierungen beteiligt war bzw. ist und diese nicht zuletzt durch BM Töchterle immer wieder ausrichten lässt, dass ihrer Meinung nach nur die Elite studieren können soll. Offensichtlich sieht die ÖVP das finanzielle Aushungern der Universitäten als legitimes Mittel dieses Ziel zu erreichen. 25 Jahre durchgehende Regierungsbeteiligung der ÖVP haben in der österreichischen Bildungspolitik ihre unverkennbaren Spuren hinterlassen. Da aber in Österreich in den vergangenen Jahrzehnten immer zwei zum Regieren gehört haben, darf man aber hier auch nicht die tatkräftige Unterstützung der FPÖ und SPÖ vergessen, die viele der Maßnahmen der ÖVP mitgetragen haben. Die Vermutung liegt also nahe, dass die Politik das Geld nicht ausgeben will! Das ist der Umstand, dem die Schuld für die chronische Finanznot der Unis gegeben werden sollte! Diese Unterfinanzierung hat in weiterer Folge dazu geführt, dass den Universitäten immer weniger Geld zum tatsächlichen Ausbau der Studienplätze und -kapazitäten zur Verfügung stand. Es ist ebendiese jahrelange Unterfinanzierung die der Hauptgrund für die prekäre finanzielle Situation der TU Wien und die fast unzumutbaren Studienbedingungen auf der WU ist!

Oftmals kommt in dieser Diskussion dann die Frage auf, ob Österreich denn wirklich mehr Studierende braucht und die Beschränkungen nicht doch vielleicht Sinn machen. Diese sollte aber bei einer genaueren Betrachtung der positiven Auswirkungen einer hohen AkademikerInnenqute auf gesellschaftspolitische, volkswirtschaftliche und demokratiepolitische Aspekte eines Staates ganz klar mit einem “Ja, Österreich braucht mehr HochschulabsolventInnen” beantwortet werden können. Es ist für Österreich eine Investition in die Zukunft des Landes jetzt in Hochschulen und deren Kapazitäten zu investieren. Diese Investitionen sind nicht nur wichtige Maßnahmen für eine aussichtsreiche Zukunft von jungen Menschen in Österreich sondern machen auch Maßnahmen wie Zugangsbeschränkungen obsolet! Und dann könnten sich die österreichsichen Hochschulen endlich wieder auf ihre eigentlichen Aufgaben konzentrieren: Lehre und Forschung!

Darum fordert die FEST, dass die österreichische Politik endlich ihre Verantwortung wahrnimmt und allen Hochschulen eine ausreichende Finanzierung zur Verfügung stellt, damit es allen Studienwilligen ermöglicht werden kann, zu studieren!