Warum soll eigentlich jedeR studieren können?

4. April 2013 ‐ 19:00

Aktuell werden Zugangsbeschränkungen an Hochschulen wieder heiß diskutiert. Die ÖVP erreicht die Wiedereinführung von Studiengebühren und eine kapazitätsorientierte Anpassung der Studienplätze in Massenfächern. Klingt für den Laien doch eigentlich ganz gut. Immerhin können ja auch Studierende ihren Beitrag leisten und zum Studieren ist sowieso nicht jeder geeignet!

Genau hier beginnt das Problem. Beginnen wir doch zu allererst mit der Frage „Was sind Zugangsbeschränkungen?“. Zugangsbeschränkungen verhindern, dass jedeR ein Studium an einer Hochschule beginnen kann. Die erste Zugangshürde, die von vielen als ausreichend angesehen wird, ist die Matura. Menschen die keine Matura haben wird der Zugang zum Studium zwar auch ermöglicht, aber nur mit speziellen Zulassungsprüfungen. Diese sind nicht einheitlich sondern bei den verschiedenen Hochschultypen unterschiedlich. So gibt es zum Beispiel im Fachhochschulsektor keine einheitliche Regelung wie diese Prüfungen aussehen sollen.

Eine weitere Art von Zugangsbeschränkungen sind Auswahlverfahren. Auch diese sehen auf den verschiedenen Hochschulen ganz unterschiedlich aus. Möchte man zum Beispiel ein Medizinstudium beginnen, muss man sich dem EMS Test unterziehen. Dabei handelt es sich um einen schriftlichen Test der die Eignung, ob jemand MedizinerIn werden kann, feststellt. Wie das möglich ist? Gar nicht!

Ähnlich verhält es sich bei Fachhochschulen. Hier gibt es ein- und mehrstufige Verfahren. Was genau bei so einem Auswahlverfahren passiert kann sich jedoch jede FH und teilweise auch jeder Studiengang selbst aussuchen. Die Bandbreite geht vom standardisierten EDV Test, über persönliche Gespräche, bis hin zu Assessment-Centern. Auch wenn solche mehrstufigen Verfahren die Möglichkeit bieten die KandidatInnen kennen zu lernen, können sie keine direkte Eignung für ein Studien- oder Berufsfeld feststellen. Die Auswahl nach persönlichen Kriterien stellt in jedem Fall eine subjektive Komponente dar. Somit lässt sich sagen, dass Auswahlverfahren meist nicht nachvollziehbar, in vielen Fällen nicht transparent und auf keinen Fall gerecht sind!

Trotzdem fordert unser ÖVP Minister Zugangsbeschränkungen. Auf die persönliche Frage, wie diese denn aussehen sollten, und wie gewährleistet werden kann, dass objektiv, fair und gerecht eine Eignung festgestellt werden kann, hat der Minister bis heute keine Antwort. Laut ihm solle diese Frage jede Hochschule in ihrer Autonomie für sich selbst klären.

Auch Studiengebühren sind Zugangsbeschränkungen. Nicht gewusst? Wer sich ein Studium nicht leisten kann, kann nicht studieren. Die durchschnittlichen Lebenserhaltungskosten eines/r Studierenden liegen in Österreich bei ca. 889 Euro pro Monat. Der Höchstsatz der Studienbeihilfe liegt fast 200 Euro unter diesem Wert. Weder die Familienbeihilfe, noch die Studienbeihilfe wurden in den letzten Jahren Inflationsangepasst.  60 Prozent der Studierenden arbeiten neben dem Studium, 80 Prozent davon, weil sie sich sonst ein Studium gar nicht leisten könnten. 90 Euro zusätzlich im Monat mögen für manche vielleicht nicht viel Geld sein, für eineN Studierenden der/die nicht weiß wie er/sie die nächste Miete bezahlen soll wäre dieser „kleine“ Beitrag jedoch fatal.

Ein Studium hat für eine Person einen gewissen Wert, jedoch hat ein Studium auch einen enormen Wert für die gesamte Gesellschaft. Ohne Studierende, welche später Forschung betreiben, würde sich unsere Gesellschaft nicht weiterentwickeln. Medizin, Technik, Soziales, Wirtschaft sind nur einige Felder in denen viele Errungenschaften nicht ohne Forschung möglich wären! Darum ist es wichtig für eine Gesellschaft, eine hohe Bildungsquote zu haben. Interessant dabei ist, dass sich über diesen Fakt alle einig sind: “Bildung ist wichtig für unsere Gesellschaft”.

Warum gibt es dann noch immer Menschen im Land, die denken Bildung sei etwas Elitäres, nur für Kinder von reichen Eltern? Warum gibt es keine Gesamtschule? Keine ordentliche Orientierungsphase zum Studienbeginn?

Es wird endlich Zeit diese Barrieren aufzubrechen, jedeR hat eine Chance auf Bildung verdient, jedeR soll, sofern er oder sie möchte eine Hochschule besuchen, eine Lehre machen oder an einem Weiterbildungskurs teilnehmen können.

Wissen soll für alle Bevölkerungsschichten zugänglich gemacht werden!

Wir setzen uns dafür ein, dass auch DU eine Chance bekommst!

Für einen freien und offenen Hochschulzugang!