Meine Freundin aus der Türkei zahlt dein Studium

15. Mai 2013 ‐ 22:06

Die aktuelle Regelung, dass Nicht-EU-BürgerInnen – so genannte Drittstaatsangehörige – doppelte Studiengebühren zahlen, ist diskriminierend! Drittstaatsangehörige unterliegen auch noch weiteren Diskriminierungen: Sie müssen bereits vor Beginn des Studiums eine Reihe bürokratischer und finanzieller Hürden überwinden und dürfen während ihres Studiums in Österreich nicht arbeiten.

Was sind Drittstaatsangehörige?

Der Begriff „DrittstaatsangehörigeR“ ist ein Rechtsbegriff aus dem Asyl- und AusländerInnenrecht der Europäischen Union. Drittstaatsangehörige sind von der europarechtlichen Freizügigkeit ausgeschlossen.

Voraussetzungen für ein Studium in Österreich als DrittstaatsangehörigeR

Drittstaatsangehörige – Staatsangehörige eines Landes, welches nicht der Europäischen Union oder dem Europäischen Wirtschaftsraum angehört – müssen für die Zulassung zu einem Studium in Österreich die Hochschulreife und einen Studienplatz vorweisen. Nachgewiesen wird die Hochschulreife – auch als Matura bekannt – durch ein entsprechendes Schulabschlusszeugnis. Der Studienplatznachweis bedeutet, dass in dem Land, in welchem die Matura abgelegt wurde, das Recht auf unmittelbare Zulassung für dieselbe Studienrichtung bestehen muss, die in Österreich inskribiert werden soll. Dabei wird keine bestehende Studienzulassung im Heimatland verlangt, sondern zum Zeitpunkt der Antragstellung in Österreich muss der/die Studierende im Heimatland zur Studienzulassung lediglich berechtigt sein. Wer bei der Zulassung keine ausreichenden Deutschkenntnisse nachweisen kann, ist verpflichtet, vor dem Studium einen Deutschkurs beziehungsweise einen Vorstudienlehrgang zu besuchen. Bezüglich Sprachkenntnissen sind Drittstaatsangehörige und EU-BürgerInnen mit anderen Landessprachen als Deutsch bei den Zulassungsvoraussetzungen gleichgestellt.

Ansuchen um Zulassung

Der erste Schritt für die Zulassung an einer Universität ist die online-Voranmeldung. Gemeinsam mit dem Antrag auf Zulassung sind die notwendigen Unterlagen wie zum Beispiel Reifezeugnis, gegebenenfalls Studienplatznachweis und gegebenenfalls Nachweis deutscher Sprachkenntnisse an die Universität zu schicken beziehungsweise persönlich abzugeben. Notwendige Anträge und Formulare können von den Websites der jeweiligen Universitäten heruntergeladen und ausgedruckt werden.

Studiengebühren für Drittstaatsangehörige

Pro Semester müssen ordentliche Studierende, welche Drittstaatsangehörige sind und über einen Aufenthaltstitel „StudierendeR“ verfügen, Studiengebühren in Höhe von 726,72 Euro (exklusive ÖH-Beitrag) zahlen. Falls der/die Studierende an mehreren Universitäten beziehungsweise für mehrere Studienrichtungen zugelassen ist, muss dieseR die Studiengebühren nur einmal entrichten. Die Studiengebühren müssen für jedes Semester im Voraus eingezahlt werden.

Länder mit doppelten Studiengebühren:
Anguilla – Antigua und Barbuda – Argentinien – Bahrain – Barbados – Botswana – Brasilien – Chile – Cookinseln – Dominica – Gabun – Grenada – Costa Rica – Libanon – Malaysia – Mauritius – Mayotte – Mexiko – Montserrat – Nauru – Oman – Palau – Panama – Saudi-Arabien – Seychellen – St. Helena – St. Kitts und Nevis – St. Lucia – Trinidad und Tobago – Türkei – Turks- und Caicosinseln – Uruguay – Venezuela

Für alle anderen Staaten gelten Ausnahmeregelungen und Studierende zahlen daher keine Studiengebühren oder Studiengebühren in einfacher Höhe. ALLE Studiengebühren müssen abgeschafft werden. Sie fördern soziale Selektion und verunmöglichen vielen Menschen den Zugang zu höherer Bildung.

Aufenthaltstitel-Erstantrag

Nachdem Drittstaatsangehörige an einer Hochschule zugelassen wurden, müssen diese bei der zuständigen österreichischen Vertretungsbehörde in ihrem Heimatland einen Aufenthaltstitel beantragen.

Folgende Unterlagen müssen eingereicht werden:
Ausgefülltes Antragsformular
Aktuelles Foto
Gültiger Reisepass (Kopie)
Geburtsurkunde (Kopie)
Zulassungsbescheid
Polizeiliches Führungszeugnis
Nachweis eines Mietvertrags für die Dauer von 12 Monaten

Abgesehen davon müssen Angaben zur Finanzierung des Studiums gemacht werden: Bis zum 24. Lebensjahr müssen 462,60 Euro pro Monat für das erste Jahr des Aufenthalts nachgewiesen werden – also insgesamt mehr als 5.550 €. Ab dem 24. Lebensjahr müssen sogar 837,63 Euro monatlich vorhanden sein – in Summe über 10.050 €.

Verlängerung des Aufenthaltstitels

Vier bis sechs Wochen vor Ablauf sollte die Verlängerung des Aufenthaltstitels beantragt werden. Falls der Antrag nach Ablauf des Aufenthaltstitels gestellt wird, wird dieser als Erstantrag behandelt und muss im Heimatland gestellt werden.

Folgende Unterlagen müssen eingereicht werden:
Studienerfolgsnachweis (8 Semesterwochenstunden bzw. 16 ECTS-Punkte)
Ausgefülltes Antragsformular
Fortsetzungsbestätigung der Hochschule
Aktuelles Foto
Meldezettel
Kopie des Reisepasses
Nachweis über die Finanzierung des Lebensunterhaltes
Unterkunftsnachweis (Mietvertrag)
Nachweis der Krankenversicherung

Wir als FEST haben es uns zur Aufgabe gemacht, auch Drittstaatsangehörigen einen fairen Hochschulzugang und ein diskriminierungsfreies Bildungssystem zu ermöglichen. Wir fordern die vollkommene rechtliche Gleichstellung aller in Österreich lebender Menschen!