Doktorat mit FH-Abschluss

13. März 2014 ‐ 18:03

Ende Oktober letzten Jahres entschied der Verwaltungsgerichtshof in einer von der ÖH unterstützten Klage eines FH-Absolventen [1][2]. Nunmehr ist klar, dass die vom Bundesministerium für Wissenschaft und Forschung erlassenen Verordnungen über die Zulassung von FH-Studierenden zu Doktoratstudien in jedem Fall verbindlich (sprich einklagbar) sind und die Autonomie der (öffentlichen) Universitäten nicht untergraben (so bisher deren Position).
Für die FEST ist dies ein wegweisender und lang ersehnter Entscheid puncto Durchlässigkeit. Doch wirft diese eine Antwort nicht weitere Fragen auf?

Doktoratsverordnungen – Wie und Warum
Laut FH-StG [3] steht AbsolventInnen eines FH-Diplom-, Magister- oder Masterstudiengangs der Weg zu einem Doktoratsstudium an einer Universität frei. Zur Konkretisierung der Zulassung sind vom Ministerium die so genannten FH-Doktoratsverordnungen zu erlassen. Diese haben in Falle einer verkürzten Studiendauer (d.h. drei oder nur zwei Semester statt “regulär” vier) die entsprechenden zusätzlichen Erfordernisse [4] festzulegen. Ein vier-semestriger, also “vollwertiger” FH-Master muss folglich nichts nachholen und darf direkt ein Doktoratsstudium beginnen.
Allerdings werden diese vom Ministerium ohne Einbezug der Hochschulen erstellt [5]. Die Leitung eines betroffenen Studiengangs wird nur selten gefragt; die Agentur für Qualitätssicherung [6], welche eben jene Studiengänge überprüft und genehmigt, gibt auch kein Kommentar ab. Eine fachliche Zuordnung möglichst zeitnah zur Akkreditierung (=Genehmigung eines Studiengangs) würde sich schon daraus ergeben, dass in diesem Prozess unabhängige ExpertInnen Inhalt und Aufbau des Studiums durchleuchten und eine ganzheitliche Beurteilung abgeben.

Facheinschlägigkeit
Die Urteilsbegründung stützt sich auf die per Verordnung festgelegte fachliche Zuordnung eines FH-Studiengangs. Als Resultat dieser Entscheidung wird die Zuordnung bei künftigen Verordnungen wohl kritischer betrachtet werden. Manche Universität wird sich in den Verordnungsprozess hineinreklamieren. Vorstellbar ist auch, dass bereits getroffene Zuordnungen in Folge des Urteils hinterfragt werden.
Die fachliche Zuordnung eines FH-Masterstudiums ist eine gar nicht unspannende Sache, denn zum einen wird ein solcher gerne in „neuen“ Wissenschafts-Bereichen geschaffen (Stichwort neue Medien) und zum anderen vermehrt interdisziplinär konzipiert (was auch an Unis ein Trend ist). Denn je nachdem wie eng die „Facheinschlägigkeit“ interpretiert wird, kann es durch unsaubere Zuordnung zu Konflikten kommen. Es wird sich zeigen, wie nunmehr damit umgegangen wird.

FH-AbsolventInnen jetzt besser gestellt?
Im Urteil wurde die Interpretation des §64 Abs. 4 erster Satz UG klar gestellt. Welcher FH-Abschluss „eines fachlich in Frage kommenden Diplomstudiums oder Masterstudiums“ für ein Doktoratsstudium in Frage kommt, steht per Verordnung eindeutig fest. Was ist jedoch mit Diplom- bzw. Masterstudien an (öffentlichen) Universitäten? Hier fehlt die Zuordnung in ein Fachgebiet, womit es passieren kann, dass AbsolventInnen eines vier-semestrigen Uni-Masterstudiums Auflagen bekommen, während FH-AbsolventInnen durch die Doktoratsverordnungen “geschützt” sind. Beispiel: Eine Informatikerin von der FH Technikum Wien wird an der TU Wien keine zusätzlichen Lehrveranstaltungen auferlegt bekommen – ein Informatiker der TU Graz allerdings schon.

Es wird sich zeigen, ob dieser Entscheid ein großer Sieg oder „bloß“ ein Zwischenschritt beim Thema Durchlässigkeit ist.

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[1] Urteil in voller Länge
[2] Artikel auf derStandard.at
[3] Link zum Fachhochschul-Studiengesetz
[4] Eine Mindeststudienzeit von 5 Jahren/10 Semestern bzw. eine Studienleistung von 240 EC wird allgemein als Voraussetzung für ein Doktorats-/PhD-Studium betrachtet.
[5] siehe dazu die letzte Stellungnahme der ÖH
[6] Website der AQ. Austria