Der K(r)ampf um mehr Geld – Unis gegen FHs

21. August 2014 ‐ 10:14

Wenn es ums Geld geht, wird der Ton gerne mal rauer. So auch wenn es darum geht, den Hochschulen mehr Geld zu geben; Stichwort Hochschul-Ausbau. Leider sind wir in Österreich weit davon entfernt, die Hochschulen und damit Studienplätze auszubauen, werden zusätzliche Mittel doch primär zum Erhalt des Status Quo benötigt – Instandhaltung der Infrastruktur und dezent steigende Personalkosten.

„Hochschulen“ stimmt nicht ganz. Gemeint sind öffentliche Universitäten und Fachhochschul-Einrichtungen. Jene tertiären Bildungseinrichtungen, welche dem BMWFW unterstehen – also aufsichtsrechtlich und finanziell.

Stimmt auch nicht. Denn während einerseits gilt, „Die Universitäten sind vom Bund zu finanzieren.“ (§12 Abs 1, erster Satz, UG 2002) existiert zur Finanzierung von Fachhochschul-Studiengänge keinerlei Verpflichtung des Bundes. Auch wenn der Präsident der Fachhochschul-Konferenz Helmut Holzinger das behauptet [1]. Tatsächlich fehlt im Fachhochschul-Studiengesetz jegliche Aussage hinsichtlich der Finanzierung. Einzig die Kostenbeteiligung durch Studierende ist geregelt, durch die optionale (!) Einhebung von Studienbeiträgen sowie sonstige individuell anfallende Kosten außerhalb des Regelstudienbetriebes.

Die anfängliche Idee, die Wirtschaft, welche ja direkt von der praxisnahen Ausbildung profitiert und auch inhaltlich gerne die Richtung vorgibt, zu beteiligen, ist 20 Jahre nach Start der ersten FH-Studiengänge als gescheitert zu betrachten. Statt Public-Private-Partnerships entstanden durch Initiativen und Beteiligungen von Bundesländern und Gemeinden mehrheitlich Public-Public-Partnerships. Neben diesen zahlreichen Gebietskörperschaften stehen auch Körperschaften öffentliche Rechts wie Wirtschaftskammern oder ArbeiterInnen-Kammern mehrfach hinter Fachhochschulen. Der Rechnungshof beurteilte bereits 2010: „Die Finanzierung der Fachhochschul-Studiengänge erfolgte überwiegend aus öffentlichen Mitteln (Bund, Länder und Gemeinden). Die ursprünglich geplante Mitfinanzierung seitens der Wirtschaft unterblieb weitgehend.“ [2]

Halten wir fest: Für den Bund, die Regierung besteht eine Finanzierungsverpflichtung für öffentliche Universitäten, nicht jedoch für Fachhochschulen (eigentlich FH-Studiengänge). Dennoch erdreistet sich die Fachhochschul-Konferenz, einen Teil des Uni-Kuchens für sich zu beanspruchen [3]. Statt gemeinsam mit der Uniko für ausfinanzierte Hochschulen (Stichwort 2% BIP) einzutreten, zelebriert die FHK den Wettbewerb. Der liegt dem FH-Sektor allerdings auch zu Grunde.

Zwei Jahrzehnte nach Gründung des österreichischen Fachhochschul-Sektors müssen dessen Rahmenbedingungen grundlegend neu bewertet werden. Die Entwicklung weicht deutlich von der ursprünglichen Intention ab und auch die Pläne einzelner Fachhochschulen bzw. der Fachhochschul-Konferenz deuten ein weiteres Abdriften an (Stichwort FH-Doktorat). Eine Reform des FHStG ist für die FEST unabdingbar. Der anfänglich eher unbedeutende Mangel der klaren Aufgabendefinition bzw. -trennung für Fachhochschulen und Universitäten ist zum großen, wenn nicht sogar essenziellen Problem angewachsen. Dieses gilt es aufzugreifen und zu behandeln. Die FEST wird dies auch weiterhin thematisieren und auf Lösungen drängen.

[1] Fachhochschulausbau: „Kernaufgabe des Bundes“
[2] Bericht zum Fachhochschulwesen 2010
[3] FHK: Fachhochschulen müssen bei Uni-Milliarde stärker berücksichtigt werden