Kommentar zum Evaluierungsbericht der StEOP

12. Juni 2015 ‐ 14:20

“Die Studierenden sollen dazu angehalten werden, möglichst früh ihre persönliche Studienwahl nochmals zu reflektieren.” Dieser Satz wurde von den Universitätsleitungen genannt als Beschreibung der StEOP, jedoch lässt sich mit der Daten, die in der Evaluierung der StEOP berücksichtigt wurden, diese Erwartung nicht belegen. Seit Einführung der StEOP im Wintersemester 2011 gab es keine signifikanten Veränderungen beim Inskriptionsverhalten oder beim Fortsetzungsverhalten von Studierenden. Einerseits kann ist es ein gutes Zeichen, dass diese Hürde, die den Studierenden in den Weg gelegt wurde, nicht zu einem deutlichen Rückgang der Inskriptionszahlen geführt hat, jedoch verbirgt sich der Teufel wie immer im Detail.

Gerade an der WU, die schon 2009 eine der StEOP ähnliche Eingangsphase eingeführt hatte, sinkt die Anzahl der Neuinskriptionen seitdem konstant, möglicherweise dauert es an den anderen Universitäten noch 1-2 Jahre bis die Auswirkungen der StEOP ersichtlich werden. Bis jetzt zeigt sich allerdings schon eine Auswirkung in der Statistik; Studierende die ihr Studium nach ihrem 24. Geburtstag beginnen und Studierende die über den zweiten Bildungsweg an die Hochschulen kommen setzen ihr Studium seltener nach dem 4. Semester fort. Es zeigt sich, dass vor allem ältere Studierende – wobei ich 24 nicht als alt bezeichnen würde – werden durch die Maßnahmen der Bundesregierung von den Hochschulen ferngehalten.

Die StEOP entstand durch einen politischen Kompromiss, weil sich die ÖVP und die Universitätsleitungen mit ihrem Wunsch nach Zugangsbeschränkungen an den Hochschulen nicht durchsetzen konnten (die StEOP wird im Evaluierungsbericht selbst als solche bezeichnet). Die Ziele der Universitätsleitungen, durch die StEOP die Planbarkeit zu erhöhen und die Drop-Outs zu verringen, wurde wurde nicht erreicht. Einziges Resultat der StEOP und ihrer schwachen Vorgaben seitens der Regierung ist, dass Studierende oft Studienzeit verlieren, weil keine anderen Lehrveranstaltungen besucht bzw. abgeschlossen werden dürfen, bevor die gesamte StEOP positiv absolviert wurde.

Es zeigt sich, dass die StEOP die gewünschten Ziele nie erreichen konnte und keinen Mehrwert für die Studierenden und die Universitäten gebracht hat; trotzdem spricht das IHS die Empfehlung aus die StEOP beizubehalten und strenger zu gestalten.
Die Studienvertretungen sowie die ÖH Bundesvertretung beklagen mangelnde Information seitens der Universitäten und die zusätzlichen Belastungen, die für die Studierenden entstanden sind. Trotzdem spricht das IHS davon, dass fast alle Steakholder*innen an den Universitäten zufrieden mit der StEOP sind und fordert daher ihre Fortführung.

Für uns stellt sich dabei klarerweise die Frage, ob das IHS die Studierenden nicht als Steakholder*innen sieht und ob das Autor*innen-Team vor dem Schreiben der Empfehlungen ihre eigene Evaluierung gelesen hat (oder wurde diese im Vorhinein vom BMWFW zur Verfügung gestellt).

Für uns zeigt sich deutlich, dass die StEOP in den Jahren ihrer Existenz keinen erkenntlichen Nutzen hatte und nur dazu geführt hat, dass Teile der Studierenden ihr Studium nicht fortsetzen können. Wir fordern eine echte Orientierungsphase am Beginn des Studiums, bei der Studierende die Möglichkeit haben mehrere Studienrichtungen auszuprobieren und auf fundierter Basis ihre Studienwahl treffen können, dafür braucht es auch Information vor dem Studium an den Schulen. Hier leistet die ÖH mit ihrem Programm “Studieren Probieren”, der “Studienplattform” und dem Referat für Studien- und Maturant*innenberatung bereits großartige Arbeit, die weiter ausgebaut werden muss – denn die Regierung hat offenbar kein Interesse daran.