Soziale Missstände der Studierenden

27. April 2015 ‐ 21:18

Während des Sommersemesters 2011 haben Studierende im Durchschnitt wöchentlich 19,8h neben ihrem Studium gearbeitet. Die Tatsache, dass diese Daten aus dem Jahr 2011 stammen, zeigt die Ignoranz der Bundespolitik gegenüber den sozialen Problemen der Studierenden, genauso wie die Weigerung die Studienbeihilfe an das Maß der Mindestsicherung anzupassen. Eine Umfrage der ÖH aus dem Jahr 2014 [1] zeigt sogar noch ein deutlicheres Bild. Dabei hat sich der Prozentsatz der Studierenden, die neben dem Studium arbeiten auf 84% erhöht. Die Umfrage zeigt weiter, dass der Großteil in einem Arbeitsbereich tätig ist, der fachlich nicht mit der Studienrichtung zusammenpasst. Das Bild der Studierenden, die nach der Matura in Regelstudiendauer ihr Studium absolvieren und danach am Arbeitsmarkt sofort einen gut bezahlten Job finden, ist seit längerem nicht mehr zeitgemäß. Das Durchschnittsalter der Studierenden liegt bei über 26 Jahren und die Tendenz ist steigend.

Dennoch werden Altersgrenzen verringert und staatliche Förderungen gekürzt. Fatale Auswirkungen dabei haben noch immer die Kürzungen der Regierungsklausur in Loipersodrf im Jahr 2011 bei denen neben der Kürzung der Famileinbeihilfe auch die staatliche Förderung der Selbstversicherung für Studierende wegfiel, was die Kosten für eine Versicherung verdoppelte. Die Erhöhung der Familienbeihilfe 2014 war ein längst überfälliger Schritt und deckt dabei in keiner Weise die Inflation ab. Darüber hinaus wird die Familienbeihilfe als Einkommen bei der Berechnung der Studienbeihilfe deklariert. Damit führt die Erhöhung der Familienbeihilfe zu einer Verringerung der Studienbeihilfe bei Studierenden, die auf Unterstützung angewiesen sind. Leider ist es derzeit nur 12% der Studierenden möglich überhaupt Studienbeihilfe zu beziehen. Die Berechnungsmethodik erschwert es Studierenden für den Stipendienbezug infrage zu kommen.

Hohe Wohnkosten belasten dabei die Budgets der Studierenden noch stärker als vor vier Jahren. Hier stammen die aktuellsten Daten von einer ÖH Umfrage aus dem Jahr 2013 [2]. Die Kürzung der Förderung von Studierendenwohnheimen führt auch hier zu einer starken Erhöhung der Kosten und sorgt dafür, dass nicht einmal mehr 10% der Studierenden in einem Wohnheim wohnen. Seit den Kürzungen sind die Mietpreise in Studierendenwohnheimen innerhalb von vier Jahren um 60% gestiegen. Studierende sind durch die hohen Wohnkosten oft am finanziellen Limit.

Am härtesten sind hier Studierende aus Drittstaaten betroffen, die durch staatliche Förderungen nicht erfasst werden und mit weiteren Einschränkungen zu kämpfen haben. Neben der eingeschränkten Arbeitserlaubnis wird von ihnen höheres Eigenkapital erwartet – eine sehr widersprüchliche Forderung des Staates, die Studierende oft in prekäre Arbeitsverhältnisse zwingt.

Dabei sind viele der sozialen Probleme der Studierenden hausgemacht. Knock-out Eingangsphasen (StEOP), Studienpläne, die nicht in Regelstudiendauer absolviert werden können und ein zu geringes Lehrveranstaltungsangebot führen dazu, dass die Toleranzsemester und Altersgrenzen überschritten werden und Beihilfen verloren gehen. Aus diesem Grund müssen Studierende neben dem Studium mehr arbeiten und die Studienzeit verzögert sich weiter. Ein Kreislauf, der eine unnötige Anzahl an Drop-Outs verursacht.

Wir fordern daher:

  •       Ausweitung der Toleranzsemester für alle Beihilfen
  •       Abschaffen der Altersgrenze der Studienbeihilfe
  •       Anhebung der Altersgrenze der Familienbeihilfe auf 27 Jahre
  •       Wiedereinführung der Studiheimförderung
  •       Krankenversicherung für alle Studierende
  •       Anhebung der Studienbeihilfe
Autor Martin Hajek

Autor Martin Hajek

Martin Hajek ist 23 Jahre alt und Studiert an der FH Technikum Wien im Master Gesundheits- und Rehabilitationstechnik sowie an der Universität Wien im Bachelor Mathematik und ist derzeit im Referat für Sozialpolitik der ÖH Bundesvertretung tätig.


Förderung des nicht-traditionellen Zugangs

6. Mai 2013 ‐ 9:30

Die Förderung des nicht-traditionellen Zugangs (jede Art der Zulassung zum Studium, die nicht mit “klassicher Matura” erfolgt) findet Erwähnung in praktisch jedem Planungs- bzw. Empfehlungspapier zum österreichischen Hochschulwesen der letzten Jahre. Konkrete Maßnahmen finden sich dagegen selten bis nie. Gleiches gilt für Organisation und Finanzierung.

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